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Susanne Prinz über Michaela Zimmer

 

 

Eine überraschende Anzahl von KünstlerInnen hat in der Vergangenheit mit Kunststoff gearbeitet. Zugegeben, waren darunter eine ganze Reihe von unsystematischen, einmaligen, und besonders im Zusammenhang mit Folien auch teilweise bizarre Sonderauftritte. Dennoch erscheint das industriell vorgefertigte Material seit Jahrzehnten so regelmäßig in der zeitgenössischen Kunst, dass es mittlerweile nicht nur für Skulpturen sondern auch bei Bildern zu den klassischen Materialien gerechnet werden muss. Tatsächlich war es lange in der Lage, alles, was es berührt zu modernisieren. Mittlerweile ist Kunststoff in der Kunst allerdings durchaus ambivalent. Heute ist er ein Werkstoff, der zugleich rückwärts und vorwärts zu weisen scheint. Schließlich hat er seine mit naiven Optimismus gefeierte Neuwertigkeit längst eingebüßt, während ihn andererseits die bemerkenswerte Eigenschaft, nicht fassbar, irgendwo zwischen der 3-dimensionalen Ding- und der 2-dimensionalen Bildwelt angesiedelt zu sein, auch aktuell außergewöhnlich interessant macht.

 

Es liegt nahe, hier das spezifische Interesse Michaela Zimmers zu vermuten, denn ihre Arbeiten untersuchen schon immer verschiedene Möglichkeiten des Nachdenkens über das Verhältnis des Raum, in dem wir uns bewegen, und dem Bild, das wir uns von ihm machen. Vorrangig argumentieren ihre Bilder dazu mit dem Körper. Das ist zunächst nicht unbedingt sichtbar, aber durchaus spürbar, denn Format und Binnenstruktur der Leinwände beruhen auf Größe und Reichweite der Künstlerin. Damit ist ein performativer Raum beschrieben, der, da er wie Le Corbusiers Modulor den menschlichen Körper als Maßstab nimmt, unmittelbar mit jedem Betrachter korrespondiert. Lässt man sich darauf ein, kommt es nicht nur zur Verschmelzung von Bild- und Realraum, auch Bildträger und Bild werden eins. Denn mangels fester Lichtquelle im Bild kollabiert die Distanz, die den Betrachter vom Ort der optischen Erfahrung trennt. Stattdessen gibt es eine unendliche Abfolge von Spiegelungen auf einer Unzahl von Farbschichten. Das Spezifische dieser durch einen quasi körperlosen, schwebenden Farbraum gekennzeichneten Leinwände ist die ihnen eingeschriebene vierte Dimension der Zeit, die sich als Spur des Performativen zwischen den mehrfach geschichteten, fragmentierten Ebenen eingeschriebenen hat.

 

Die neu hinzugekommene plastische Ebene verstärkt das außergewöhnliche Changieren der räumlichen Verhältnisse. Details werden unklarer und bleiben hinter halb-transparenten Folien verborgen. Die Dichotomie von Abstraktion und Körperlichkeit verschwindet in der Verschmelzung von Bild und Objekt, Illusionsraum und Material.

Blickt man auf ältere Arbeiten zurück, wird deutlich, dass Michaela Zimmers Arbeiten im Grunde schon immer einen flexiblen und aktiven Betrachter vorausgesetzt haben - jemanden, der sich nicht damit begnügt, linear nach syntaktischen und lexikalischen Regeln zu entziffern, sondern der sich selbst in Beziehung zum Objekt und den von Bewegung und Kraft definierten Zeichen setzt. Die Erweiterung des Bildes um eine zusätzliche objektivierende Ebene ist aus dieser Perspektive schlüssig und folgerichtig.

Susanne Prinz about Michaela Zimmer

 

 

A surprising number of artists have worked with synthetic material in the past.

However the material often appeared as a one off and was not used in a methodical fashion. The use of PE films in particular had some bizarre outcomes at times.

As this industrially produced material has appeared so frequently in contemporary art over the past few decades, it hast to be considered a classic material not just for sculpture but for painting too.

 

Indeed, for a long time it seemed to modernise anything it touched. However, by now the use of plastic in art has become ambivalent. Nowadays, it seems to be a material that points both to the past and to the future at the same time.

There is no longer the celebration of novelty or naïve optimism attached to its use. It has a striking ability to hover ambiguously between the three-dimensional world of objects and the two-dimensional world of images, making it exceptionally attractive as a contemporary material.

 

It seems reasonable to assume that MZ’s specific interest lies right here, given the fact that her work has always explored the different possibilities of the spatial conditions we move in, and the images we create of these.

It is through this exploration that her paintings bring the body forward as an argument.

 

This is not necessarily visible at first, but it is palpable, because the format and interior structure of the canvases are based on the artist's height and reach. Thus a performative space is portrayed which corresponds directly with each viewer, since like Le Corbusier's Modulor, it takes man as the measure.

If one engages with it, not only does a fusion of pictorial and actual space occur, the painting support and the picture also become one. For a lack of a fixed source of light in the picture, the distance collapses, which separates the viewer from the location of the visual experience. Instead, there is an infinite succession of reflections in a countless number of paint layers.

What is specific about these canvases, characterised by a virtually incorporeal, floating chromatic space, is the fourth dimension inscribed within them; time manifested as traces of the performative between the multi-tiered, fragmented layers.

 

The introduction of sculptural elements enhances this remarkable oscillation of spatial awareness. Details get blurred and stay hidden behind semi transparent PE film. The dichotomy of abstraction and corporeality disappears in the merging of image and object - illusionary space and material.

 

Looking at her past work it is obvious that it has always required an active viewer, someone who does not only decipher in a linear fashion by means of syntactical and lexical rules, but who puts themselves in direct association to the objects and signs defined by the movement and energy in the work. From this perspective the extension of the image to a further level of objectivity is coherent and convincing.

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