Hannah Sophie Dunkelberg & Simon Modersohn

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Ein gern gesehener Gast

 

About Transformations

– by Marlene A Schenk

 

The galleries Office Impart and Åplus present the joint exhibition Ein gern gesehener Gast (A very Welcome Guest) with new artworks by the artists Hannah Sophie Dunkelberg and Simon Modersohn.

 

At first glance, the groups of works on display seem fundamentally different – conspicuously transparent, Dunkelberg’s sculptures and reliefs float on the wall and in space, while the seemingly unspectacular backdrops in Modersohn’s paintings appear to be magically charged with sentimental traits due to their desolate setting. The artist's depictions reflect the banal scenes of everyday life that undergo a metaphysical expansion through further intensive processing of the motifs on canvas. Initially, his paintings seem to be the reversal of Dunkelberg’s art, in which figurativeness and truthfulness are seen alongside abstraction and decorative model aesthetics.

 

And yet, all the seemingly contrasting qualities that differentiate these groups of works, will not stop the eye to search in them for similarities. Dunkelberg’s and Modersohn’s artworks are similar already at their outset, which is always a drawing or a painting. While Modersohn negotiates the depicted objects on canvas, Dunkelberg, basing on a drawing, transfers them into ever new shapes. The relief “Sprezzatura'' is such an example, emerging from both sculpture and painting – its title implies the potential to make even the most strenuous achievements look easy and effortless. The artwork takes place in the context of art production and reception of art, at the fine line between a fluffy shell and a social burden. The silhouettes of the cultural aesthetics are only revealed in the disguise of the banal, which manifests itself in the relief made of transparent PETG material and equipped with two plastic glasses for champagne: the more sensual quality is lost, the more the symbolical will come to the fore. Modersohn’s painting “Last but not least” also refers to metaphorical motives: a cigarette has just been put out; the empty champagne glass stands by. The domestic environment is evoked from his memory, but it is the intensive painting process itself, the interrelation between construction and factuality that bring new, complex life circumstances and a magical effect of place. The pastel turquoise background transforms seamlessly into a peanut-brown floor, which gives the distressingly deserted scene a weightless and transcendent quality. The depiction of the ordinary, of the everyday object, of an interior, of a mere silhouette or a casted shadow, is a wellspring for both artists. “Fainted Couch” by Hannah Sophie Dunkelberg demonstrates a characteristic of the model: the observer develops an alternative approach to an object that is commonly used. Where people are not present, light is used as a source of potential presence, simultaneously marking a threshold to the absence itself. In Modersohn’s “Kleines Theater” light is used not only to indicate a human presence, it also seems to be a spotlight, whereas the oven grate transforms into a theater stage.

 

The omnipresent human traces bind both artists in their practice. Whether it is a model or a conventional piece of furniture, the portrayed is always man-made. Hannah Sophie Dunkelberg and Simon Modersohn question the usefulness, the traditional craftsmanship, the multilayerdness and the meaning of these objects without humans having to be present – although their presence is still perceptible. In their absence, both artists transform everyday objects into something special, the ordinary into the magical.

 

Hannah Sophie Dunkelberg was born in Bonn in 1987 and currently lives and works in Berlin. After studying at the HFBK Hamburg under Prof. Pia Stadtbäumer, she graduated from Berlin University of the Arts as a master student in the class of Prof. Manfred Pernice in 2019. Her sculptural work is strongly influenced by painting. The imagery deliberately stages painting and photography in the sculptural field. Dunkelberg was awarded the Ursula-Hanke-Förster Foundation’s prize for sculptural works. Her artwork has already been displayed in Berlin, Düsseldorf, Cologne, Turin, London and New York. 

 

Simon Modersohn was born in 1991 near Bremen and currently lives and works in Hamburg. Until 2019, he studied painting in the class of Werner Büttner at the Hamburg University of Fine Arts. In his paintings he mostly deals with rural environments and focuses on their everyday trivialities. He is concerned with recognition through irritation. In 2017, Modersohn received the Hiscox scholarship from the city of Bad Gastein. His work has already been displayed in Hamburg, Bonn, Wiesbaden, Chemnitz and Berlin.

Ein gern gesehener Gast

 

ÜBER VERWANDLUNGEN

von Marlene A Schenk

 

Die Galerien OFFICE IMPART und Åplus präsentieren mit „Ein gern gesehener Gast“ eine gemeinschaftliche Ausstellung mit aktuellen Arbeiten der KünstlerInnen Hannah Sophie Dunkelberg und Simon Modersohn.

Die ausgestellten Werkgruppen scheinen auf den ersten Blick grundverschieden – Dunkelbergs Skulpturen und Reliefe schweben in einer zeitgenössischen Transparenz unübersehbar an der Wand und im Raum, während die vermeintlich unspektakulären Kulissen aus Modersohns Malerei sich durch ihre einsame Szenerie magisch mit einem Erinnerungswert aufzuladen scheint. So finden sich in den Darstellungen des Künstlers die banalen Szenen des Alltags wieder, die durch eine intensive Abarbeitung mit ihren Motiven auf der Leinwand eine geistige Erweiterung erfahren. Seine Malerei scheint damit zunächst eine Umkehr zur Kunst Dunkelbergs zu sein, indem Figürlichkeit und Wahrhaftigkeit neben Abstraktion und dekorativer Modellästhetik zu sehen sind.

 

Das Erstaunliche an der Betrachtung offenbar grundverschiedener Kunstwerke wie dieser ist es, ihre Gemeinsamkeiten aufzudecken. Denn trotz aller Gegensätzlichkeit verbindet Dunkelberg und Modersohn zunächst ihr Ausgangspunkt, nämlich einer der Zeichnung und der Malerei. Während Modersohn die dargestellten Objekte auf der Leinwand verhandelt, überträgt Dunkelberg sie von der Zeichnung ausgehend in neue Formen. Das Relief „Sprezzatura“ ist ein solches Beispiel, es bewegt sich zwischen Bildhauerei und Malerei. Das Wort umschreibt die Fähigkeit, auch anstrengende Leistungen leicht und mühelos erscheinen zu lassen. Das Werk bewegt sich im Kontext der Kunstproduktion und -betrachtung auf dem schmalen Grat zwischen federleichter Hülle und gesellschaftlicher Last. Die Silhouetten einer Kulturästhetik offenbaren sich erst in der Verkleidung des Banalen, das in dem Relief aus transparentem PETG-Kunststoff und mit zwei Plastiksektgläsern versehen daherkommt: Je mehr sinnliche Qualität verloren geht, desto stärker tritt das Zeichenhafte in den Vordergrund. Auf metaphorische Motive verweist auch Modersohns „Last but not least“: Eine Zigarette wurde gerade ausgedrückt; das leere Sektglas steht bereit. Die häusliche Umgebung wird dabei aus seiner Erinnerung hervorgerufen, es ist hierbei allerdings der intensive Malprozess selbst, die Wechselwirkung von Konstruktion und Tatsächlichkeit, der neue komplexe Lebenszusammenhänge und eine magische Wirkung des Ortes hervorbringen. Der pastelltürkise Hintergrund fließt übergangslos in einen erdnussbraunen Boden, der die bedrückend verlassene Szenerie leicht und transzendent wirken lässt. Die Darstellung des Normalen, also des alltäglichen Objekts, eines Interieurs, einer bloßen

Silhouette oder Schattenwurfs werden für beide Künstler zur Quelle ihrer Praxis. „Fainted Chouch“ von Hannah Sophie Dunkelberg zeigt den Modellcharakter in ihren Arbeiten: gerade durch die Nicht-Nutzbarkeit entwickelt der Betrachter einen alternativen Zugang zu einem

Objekt, das normalerweise genutzt würde. Wo der Mensch nicht anwesend ist, wird Licht als Quelle einer potenziellen Anwesenheit genutzt und zeichnet gleichzeitig eine Schwelle zur Abwesenheit ab.

 

„Kleines Theater“ von Modersohn nutzt das Licht des Backofens hier nicht nur, um auf eine menschliche Gegenwart hinzuweisen, gleichzeitig scheint das Ofenlicht zum Scheinwerfer zu werden, das Ofenrost zur Theaterbühne. Beide Künstler haben gemein, dass diese Spuren von Menschlichkeit in ihren Werken omnipräsent mitschwingen. Denn auch das Dargestellte ist immer Menschengemacht, egal ob Modell oder herkömmlicher Einrichtungsgegenstand. Hannah Sophie Dunkelberg und Simon Modersohn hinterfragen Nützlichkeit, traditionelles Handwerk, Mehrschichtigkeit und die Bedeutung dieser Objekte, ohne dass der Mensch anwesend sein muss – jedoch stets spürbar ist: in seiner Abwesenheit verwandeln beide Künstler den Alltagsgegenstand in eine Besonderheit, das Normale ins Magische.

 

Hannah Sophie Dunkelberg wurde 1987 in Bonn geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Nachdem sie an der HFBK Hamburg bei Prof. Pia Stadtbäumer studierte, absolvierte Sie die Universität der Künste Berlin als Meisterschülerin in der Klasse von Prof. Manfred Pernice im Jahr 2019. Ihr bildhauerisches Werk ist stark von der Malerei geprägt. Die Bildsprache inszeniert bewusst Malerei und Fotografie im skulpturalen Bereich. Dunkelberg wurde mit dem Skulpturenpreis Anerkennung der Ursula-Hanke-Förster-Stiftung ausgezeichnet. Ihre Arbeiten wurden bereits in Berlin, Düsseldorf, Köln, Turin, London und New York gezeigt.

 

Simon Modersohn wurde 1991 in der Nähe von Bremen geboren, lebt und arbeitet in Hamburg. Bis 2019 studierte er Malerei bei Werner Büttner an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. In seiner Malerei setzt er sich meist mit ländlichen Milieus auseinander und rückt

deren alltägliche Trivialitäten ins Zentrum. Es geht ihm um Erkenntnis durch Irritation. 2017 erhielt Modersohn das Hiscox Stipendium der Stadt Bad Gastein. Seine Arbeiten wurden bereits in Hamburg, Bonn, Wiesbaden, Chemnitz und Berlin gezeigt.

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